Meldung vom 11.06.2026
Im Rahmen der Budgetkonsolidierung stand auch eine deutliche Reduktion der Mittel für die betriebliche Lehrstellenförderung im Raum. Umso wichtiger ist, dass die für die Lehrstellenförderung vorgesehenen Mittel im Doppelbudget 2027/2028 mit jeweils bis zu 280 Millionen Euro erhalten bleiben. Damit konnte ein zentrales Förderinstrument für ausbildende Betriebe abgesichert und ein wichtiges Signal für die Lehrlingsausbildung, die Fachkräftesicherung und den Wirtschaftsstandort Österreich gesetzt werden. „Dass die Mittel für die Lehrstellenförderung trotz angespannter Budgetsituation nicht deutlich gekürzt werden, ist ein Erfolg unserer gemeinsamen Anstrengungen. Wir haben in den vergangenen Monaten sehr klar aufgezeigt, welche Folgen eine massive Reduktion der Basisförderung für die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe hätte. Positiv hervorzuheben ist, dass Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer und das zuständige Ministerium die Bedeutung der betrieblichen Lehrlingsausbildung in dieser Frage entsprechend berücksichtigt haben. Wichtig ist auch, dass Kleinbetriebe mit einem Lehrling von der Anpassung nicht betroffen sind“, sagt Monika Sandberger, Geschäftsführerin von zukunft.lehre.österreich, nach der Präsentation der Budgetrede.
Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass die Mittel für die Lehrstellenförderung in den vergangenen Jahren nicht entsprechend dem steigenden Bedarf erhöht wurden. Aufgrund der höheren Aufwendungen und der begrenzten budgetären Mittel kommt es daher bereits ab 1. Juli 2026 zu kostendämpfenden Maßnahmen im Bereich der Basisförderung: Pro Lehrbetrieb und Kalenderjahr wird ein Lehrling weiterhin zu 100 Prozent gefördert. Für jeden weiteren Lehrling beträgt die Basisförderung künftig 75 Prozent der bisherigen Bemessungsgrundlage. „Damit wurde eine deutlich stärkere Kürzung verhindert. Dennoch bleibt die Entwicklung kritisch: Betriebe, die mehrere Lehrlinge ausbilden und damit besonders viel Verantwortung übernehmen, sind ab dem zweiten Lehrling von einer Kürzung um 25 Prozent betroffen. Gerade angesichts des Lehrlings- und Fachkräftemangels müssen wir daher weiterhin genau hinschauen und die betriebliche Ausbildung in der Fachkräftestrategie stärker berücksichtigen“, so Sandberger.
Alarmierende AMS-Zahlen zeigen dringenden Handlungsbedarf
zukunft.lehre.österreich. warnt jedoch weiterhin davor, dass die Entwicklung am Lehrstellenmarkt nicht unterschätzt werden darf. Die aktuellen AMS-Zahlen zeigen bereits jetzt, dass rund 9.900 sofort verfügbare Lehrstellensuchende auf nur rund 6.180 sofort verfügbaren offenen Lehrstellen treffen. Gleichzeitig wird für heuer ein Rückgang des jahresdurch-schnittlichen Lehrlingsbestands auf rund 97.400 Personen prognostiziert, was der niedrigste Wert seit Beginn der Beobachtungsperiode 1999. „Diese Zahlen müssen uns alle wachrütteln. Wenn immer weniger Betriebe Lehrlinge ausbilden, fehlen uns in wenigen Jahren genau jene Fachkräfte, die wir für Industrie, Gewerbe, Handel, Tourismus, Pflege, Technik und Dienstleistung dringend brauchen. Es reicht nicht, den Fachkräftemangel zu beklagen. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass Betriebe auch künftig wollen und ausbilden können“, betont Sandberger.
Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über den Lehrlingsmangel müsse die betriebliche Ausbildung in der politischen Arbeit deutlich stärker berücksichtigt werden. Die Lehre sei nicht nur ein Bildungsweg, sondern ein entscheidender Standortfaktor.
Fachkräftestrategie muss Ausbildungsbetriebe ins Zentrum rücken
Aus Sicht von zukunft.lehre.österreich. muss die derzeit in Erarbeitung befindliche Fachkräftestrategie die Rolle der Lehrbetriebe wesentlich stärker in den Mittelpunkt stellen. „Die Fachkräftestrategie darf nicht an den Ausbildungsbetrieben vorbeigehen. Wer den Fachkräftemangel ernsthaft bekämpfen will, muss die Betriebe stärken, die heute junge Menschen ausbilden. Lehrlingsausbildung braucht Planungssicherheit, praxistaugliche Rahmenbedingungen und ein klares politisches Bekenntnis“, sagt Sandberger. Viele Ausbildungsbetriebe übernehmen heute weit mehr als die reine Vermittlung fachlicher Kompetenzen. Sie begleiten Jugendliche beim Einstieg ins Berufsleben, unterstützen bei Grundkompetenzen, fördern soziale Fähigkeiten und leisten einen wichtigen Beitrag zur persönlichen Entwicklung junger Menschen. Diese Verantwortung müsse politisch anerkannt und entsprechend abgesichert werden.
Lehrlingsförderung vereinfachen statt Betriebe zusätzlich belasten
zukunft.lehre.österreich. fordert, die aktuelle Diskussion nicht nur für eine langfristige Absicherung der Basisförderung zu nutzen, sondern auch für eine echte Vereinfachung des gesamten Fördersystems in der Lehrlingsausbildung. Ziel muss sein, dass weder Unternehmen noch Kammern zusätzlichen administrativen Aufwand betreiben müssen, um Förderungen abzuwickeln. „Wenn wir wollen, dass mehr Betriebe Lehrlinge ausbilden, dann müssen wir ihnen die Ausbildung erleichtern und nicht zusätzliche Bürokratie schaffen. Die Lehrlingsförderung muss transparent, verständlich und praxistauglich sein. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels brauchen Betriebe einfache Rahmenbedingungen, damit sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können, nämlich junge Menschen gut auszubilden“, sagt Sandberger.
Aus Sicht von z.l.ö. sollte die Entbürokratisierung der Lehrlingsförderung daher auch ein zentraler Bestandteil der derzeit in Erarbeitung befindlichen Fachkräftestrategie sein. Es brauche ein Fördersystem, das Ausbildungsbereitschaft stärkt, Planungssicherheit schafft und Betriebe sowie abwickelnde Stellen administrativ entlastet. „Wir haben eine komplette Streichung verhindert – das ist wichtig. Aber jetzt keinesfalls der Eindruck entstehen, dass das Thema erledigt ist. Im Gegenteil: Die Sicherung und Vereinfachung der Lehrlingsförderung muss ein zentrales Element der Fachkräftestrategie werden. Denn die Fachkräfte von morgen sind die Lehrlinge von heute“, so Sandberger abschließend.
zukunft.lehre.österreich. ist eine unabhängige, gemeinnützige und branchenübergreifende Initiative mit dem Ziel, die Vorteile und Chancen einer Lehre hervorzuheben und das Ansehen der dualen Ausbildung in der Gesellschaft zu verbessern. Die Initiative wird von Unternehmen getragen, die Lehrlinge ausbilden oder ausbilden wollen. Derzeit ist z.l.ö. mit rund 250 Mitgliedsbetrieben, die über 100.000 Mitarbeiter:innen beschäftigen und rund 20.000 Lehrlinge ausbilden, die größte freiwillige Lehrlingsinitiative Österreichs.