Meldung vom 03.09.2026
Unser Dialekt ist Standardsprache in Vereinen, Nachbarschaft, oft auch in Schule und im Beruf. Bereiche, in denen sich auch viele Menschen mit Migrationshintergrund bewegen, die zwar gut Deutsch gelernt haben aber unseren Dialekt nicht verstehen. Eine Hürde, die zu Missverständnissen führen kann. „Es ist eine türkische Frau, die ihre eigene Familie verstehen will – denn ihr österreichischer Mann spricht mit den Kindern im Dialekt. Ein bosnischer Pfleger, mit älteren Patient:innen, die im Gespräch nicht beim Hochdeutschen bleiben können. Oder ein Franzose, der bei Familientreffen mit seiner Verlobten aus Gmunden auch mal mitreden will. Wir sehen die unterschiedlichsten Motivationen, um Dialekt zu lernen“, betont Dominik Klinger, Gründer Medienhaus Klinger und Teil des Projekts „Dialekt für alle“. Ab sofort haben jene Menschen, die nicht in Österreich geboren sind, aber jetzt rechtmäßig in Oberösterreich leben, kostenlosen Zugang zu Dialektkursen am Medienhaus Klinger. Ermöglicht wird dies durch eine Förderung der Integrationsstelle des Landes Oberösterreich.
„Wer in Oberösterreich leben will, muss nicht nur Deutsch können, sondern auch verstehen, wie wir sprechen. Menschen, die sich hier zurechtfinden, dazugehören und mitreden wollen, kommen am Dialekt einfach nicht vorbei. Für uns ist Sprache – und dazu gehört bei uns eben auch der Dialekt – der Schlüssel zur Integration. Denn wer unseren Dialekt versteht, fühlt sich schneller zugehörig, und integriert sich dadurch leichter“, so Integrations-Landesrat Dr. Christian Dörfel. Neben dem Dialekt wird in den Kursen künftig auch die OÖ. Hausordnung vermittelt, die das Zusammenleben bei im Bundesland regelt und für ein besseres Verständnis, wie Kommunikation und Miteinander im oberösterreichischen Alltag funktionieren, sorgt.
Die „Angst“ verlieren vor´m Dialekt
„Dialekt für alle“ erleichtert Menschen, die sich für Oberösterreich als Lebensmittelpunkt entschieden haben, den Zugang zur regionalen Alltagssprache enorm: „Wir stoßen auf großes Interesse. Bisher haben wir 500 Menschen aus unterschiedlichsten Ländern wie Ungarn, Mexiko, Iran, Südafrika oder Tschechien geholfen Oberösterreichisch zu lernen. In unseren Kursen sitzen Frauen und Männer im Alter von 18 bis 58“, erzählt Severin Eigner, Dialekt-Trainer.
„In Oberösterreich spricht man einfach zwei Sprachen: Deutsch & Dialekt. Dass wir mit unseren Kursen den Dialekt nun kostenfrei zugänglich machen können, schließt die Lücke“, freut sich Dominik Klinger. Er unterrichtet seit sieben Jahren oberösterreichischen Dialekt, auch am BFI und WIFI. Da es zu Beginn keine Kursbücher für „Oberösterreichisch“ gab, entwickelte er auf Basis der Bedürfnisse der Kursteilnehmer:innen eine Methode, um den Dialekt vermitteln zu können. Diese liegt seit 2026 nun auch als Kursbuch „Wos host g‘sogt?“ vor. Somit können Dialektkurse jetzt viel breiter angeboten werden.
Mehrwert überzeugt
Den Mehrwert von Dialektkursen zeigen bereits erfolgreiche Absolvent:innen am Arbeitsmarkt und im Zusammenleben. Auch andere Bundesländer setzen inzwischen verstärkt auf Dialektvermittlung. Daher wird das Kursbuch „Wos host g’sogt?“ aktuell für Niederösterreich übersetzt und mit regionalen Inhalten ergänzt. Erscheinungstermin: 2027.
Zudem sind digitale Lektionen für Zwischendurch immer mehr gefragt, auch in Dialektkursen. Um die Teilnehmer:innen auf diesem Weg zu unterstützen wird daher gemeinsam mit einer Prager Sprachschule die Dialekt-Lern-App EMA umgesetzt, die ab Ende des Jahres den Teilnehmer:innen kostenlos zur Verfügung steht.
Sprache, die verbindet
Das Pilotprojekt „Dialekt für alle“ wird in Zusammenarbeit mit der Integrationsstelle des Landes Oberösterreich umgesetzt und ist bis zum 1. Juli 2027 für 111 Teilnehmer:innen finanziert. Gefördert werden 40 Unterrichtseinheiten pro Person sowie das Kursbuch. Für die Kurse sind Deutschkenntnisse auf Niveau B1 erwünscht. Die Teilnahme kann entweder vor Ort in Linz oder online stattfinden. Somit steht das Angebot Menschen in ganz Oberösterreich offen.
Die Kurs-Inhalte: Theorie und Praxis
Wie im klassischen Deutsch-Kurs sind Grammatik, Vokabeln, Hörbeispiele, Aussprache und Schreib-Übungen Teil der Dialektkurse. Zusätzlich wird der Fokus auf Regeln gerichtet, die Dialekt-Übersetzungen erleichtern. Zum Beispiel der Satz „Was hast gesagt“ wird im Dialekt zu „Wos host g’sogt“, weil in Oberösterreich der Buchstabe A meistens als O ausgesprochen wird. „Alles Walzer“ wir zu „Ois Woiza“, weil AL/ALL meistens als OI übersetzt wird. Wer diese Regeln beherrscht, kann nicht nur ein Wort übersetzen, sondern tausende. Somit lassen sich in 40 Unterrichtseinheiten große Fortschritte erzielen. „Es geht darum, sich zu trauen im Alltag Dialekt zu sprechen. Das Gefühl „Ich kann das!“ entsteht im Kurs oft dann, wenn wir Austropop-Lieder übersetzen, als Beispiel für authentische Texte“, sagt Verena Schörghuber, Dialekt-Trainerin.
Die neuen Kurse starten ab Mitte September – Medienvertreter:innen sind herzlich eingeladen einen Kursabend zu besuchen. Aktuelle Termine auf dialektkurs.at