Meldung vom 06.03.2026

Hebammen in der Schwangerenvorsorge

Mehr Entscheidungsfreiheit für Frauen, weniger Druck auf Ärzt*innen und das Gesundheitssystem

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Wien, 6. März 2026. Zum Internationalen Frauentag weist das österreichische Hebammengremium darauf hin, dass Frauen in Österreich - anders als in den meisten europäischen Ländern - bis heute kaum Wahlfreiheit in der Schwangerenvorsorge haben. Eine stärkere Einbindung von Hebammen könnte künftig mehr Entscheidungsmöglichkeiten eröffnen und gleichzeitig das Gesundheitssystem entlasten. Zudem würde diese Wahlfreiheit einen wertvollen Beitrag zur Frauengesundheit leisten. Derzeit ist das im österreichischen Gesundheitssystem nicht vorgesehen.

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„Hebammen sind Expert*innen für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Wenn wir ihre Kompetenzen stärker in der Vorsorge nutzen, profitieren Frauen, Familien und das Gesundheitssystem gleichermaßen“, betont Lisa Rakos, Präsidentin des Österreichischen Hebammengremiums.

Hebammen begleiten Frauen mit geburtshilflichem Fachwissen durch Schwangerschaft, Geburt, das Wochenbett und die Stillzeit. Ihr Fokus liegt dabei auf Gesundheitsförderung und Prävention: Hebammen erkennen frühzeitig körperliche und psychische Belastungen, können sehr gut zwischen normalen und problematischen Entwicklungen differenzieren, vermitteln im Bedarfsfall weiterführende Angebote und unterstützen Familien dabei, gut vorbereitet in das Leben mit einem Neugeborenen zu starten.
Dabei verbinden Hebammen ihre medizinische Expertise mit einem geschulten Blick für die psychische Verfassung der Mutter. So kann verhindert werden, dass sich aus kleineren Belastungen schwerwiegende Probleme entwickeln.

Soziales Frühwarnsystem: frühe Begleitung verhindert spätere Probleme
Trotz dieser Kompetenzen ist die Hebammenbegleitung in der Schwangerschaft in Österreich bislang wenig verankert.

Wir fordern immer wieder eine verbindliche, kostenfreie Hebammenberatung zu Beginn der Schwangerschaft. Diese würde sicherstellen, dass alle Frauen, unabhängig von Einkommen oder Bildung, Zugang zu dieser Unterstützung haben. Gerade Frauen in belastenden Lebenssituationen nehmen solche Angebote oft nicht von sich aus in Anspruch. Dabei können psychosoziale Probleme, Einsamkeit, Zukunftsängste, Armut, Sprachbarrieren oder Gewalterfahrungen eine Schwangerschaft stark beeinflussen. Je früher Unterstützung vermittelt und mögliche Risiken erkannt werden, desto besser ist es für Mutter und Kind“, erklärt Rakos.

Dafür stehen in ganz Österreich ausreichend hochqualifizierte Hebammen zur Verfügung. Hebammen sind über ihre Beratungskompetenz hinaus auch für die Schwangerenvorsorge qualifiziert. Gleichzeitig zeichnet sich in Österreich ein zunehmender Mangel an Kassenpraxen für Gynäkologie und Geburtshilfe ab. Dennoch sieht die neue Verordnung zum Eltern-Kind-Pass weiterhin vor, dass das Kinderbetreuungsgeld nur dann ausbezahlt wird, wenn alle fünf Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen von Fachärzt*innen durchgeführt werden.
Das verhindert, dass Frauen die Art ihrer Schwangerenvorsorge frei wählen können.

„Würde es ihnen freistehen, würden die meisten Schwangeren - das zeigen Erfahrungen aus Deutschland und der Schweiz - sowohl zur Fachärztin bzw. zum Facharzt als auch zur Hebamme gehen“, so Rakos.

Ein ressourcenorientierter Ansatz könnte so aussehen: Die drei Untersuchungen mit Ultraschall bleiben klar im Aufgabenbereich der Fachärzt*innen, zwei weitere Vorsorgetermine sowie Beratungsgespräche könnten ebenso von Hebammen durchgeführt werden.

Kompetenzen nutzen statt Ressourcen verschwenden
Auch in den Krankenhäusern sieht das Österreichische Hebammengremium ungenutztes Potenzial. Viele Stellen auf Wochenbettstationen werden derzeit mit Pflegekräften besetzt, obwohl Hebammen die einzige Berufsgruppe sind, die Mutter und Kind gemeinsam betreuen können.   

Es ist nicht notwendig, dass eine Pflegekraft im Wochenbett hilft, wir haben in den vergangenen Jahren die Ausbildungsplätze für Hebammen erhöht, deshalb kann die Pflege dort eingesetzt werden, wo sie dringend benötigt, wird “, so Lisa Rakos.

Der Pflegekräftemangel ist mittlerweile in vielen Bereichen des Gesundheitssystems spürbar. Eine stärkere Einbindung von Hebammen würde daher nicht nur Frauen mehr Wahlfreiheit geben, sondern auch dazu beitragen, Ressourcen im Gesundheitswesen sinnvoller einzusetzen.

 

ÖHG

Das Österreichische Hebammengremium  (Kammer der österreichischen Hebammen) ist eine öffentlich rechtliche Körperschaft und vertritt die beruflichen Interessen der Hebammen. Jede Hebamme, die in Österreich arbeitet, ist automatisch Mitglied des Gremiums. Das ÖHG ist die Verbindungsstelle zwischen werdenden Müttern, Ämtern, öffentlichen Institutionen, Firmen und Hebammen. und hat in jedem österreichischen Bundesland eine Landesgeschäftsstelle. 

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Österreichisches Hebammengremium
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ÖHG-Präsidentin Lisa Rakos
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Celine Anzur

Celine Anzur MA 
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